Ende Januar wird in einem neuen Ökozentrum Rapsöl als Kraftstoff produziert
Nossener Pilotprojekt: Salatöl im Autotank
Auf einer einstigen Industriebrache in Nossen entstand ein Komplex mit Ölmühle, Tanks und Silos. Rapsöl soll hier als Kraftstoff produziert und vertrieben werden. Initiator ist der Nossener Handwerker Rainer Liebe.
Ende Januar geht in Nossen ein sächsisches Pilotprojekt in Betrieb: Rapsöl wird als Kraftstoff produziert. Auf einer einstigen Industriebrache auf der Fabrikstraße entstand ein Komplex mit Ölmühle, Tanks und Silos. Der Nossener Handwerker Rainer Liebe ist der Initiator des Vorhabens. „Wir brauchen alternative Energien. Rapsöl ist ein vortrefflicher Kraftstoff. Und dazu umweltfreundlich und preiswert“, so der 46-Jährige.
Im künftigen „Ökozentrum Nossen“ sollen vorerst 1000 Liter kaltgepresstes Rapsöl hergestellt und vertrieben werden. Der „Salattreibstoff“ sei aber nicht nur für Fahrzeuge bestimmt, wie Liebe sagte: Auch für den Betrieb von Bio-Mini-Kraftwerken oder von Heizölbrennern wird Pflanzenöl eingesetzt. Als „Abfallprodukt“ entsteht in der Presse Rapskuchen, der ein hochwertiges Futtermittel ist.
Im Vorjahr hatte Liebe, der als Handwerker für Heizung und Sanitär in Nossen-Augustusberg ansässig ist, mit dem Bau begonnen. „Die Rapsöl-Produktion soll für mich ein zweites Standbein sein“, so der gelernte Klempner. Alte Gebäude sowie der 48 Meter hohe Schornstein der früheren Haar- und Wollgarnspinnerei wurden abgerissen. Der denkmalgeschützte gelbe Klinkerbau wurde den neuen Erfordernissen angepasst. Im Keller befinden sich jetzt Kunststofftanks mit einem Fassungsvermögen von 15000 Litern, im Erdgeschoss die Ölpresse und die Filteranlage und im Obergeschoss das 200-Tonnen-Rapssilo. Liebe: „Fördersysteme gewährleisten einen vollautomatischen Ablauf von der Anlieferung des Rapses bis zur Herstellung und Lieferung des Öles.“
An die 250.000,00 DM hat der Handwerker bislang investiert. Drei Arbeitsplätze wurden geschaffen. Das Regierungspräsidium und die Stadt Nossen förderten das Vorhaben. Liebe schaute sich in gleichgelagerten Unternehmen in Bayern, Baden-Württemberg und in Thüringen um, holte sich Rat. „Sachsen steht beim Energie-Einsatz von reinem Pflanzenöl erst am Anfang“. Einige Umwelt-Aktivisten würden zwar schon Pflanzenöl im Autotank haben oder damit auch Mini-Blockheizkraftwerke betreiben. Doch Ölmühlen in Sachsen seien rar, ebenso öffentliche Pflanzenöltankstellen. Im Sommer will Liebe in seinem Ökozentrum eine Tankstelle in Betrieb nehmen, die dann die jetzige Interims-Zapfanlage ablösen soll.
Das Nossner Projekt wird von der Sächsischen Landesanstalt für Landwirtschaft mit Interesse betrachtet, da hier „ein bemerkenswertes energieökologisches Modell“ entsteht, wie Michael Grunert sagte. Landwirte und andere Firmen der Region sollen mit einbezogen werden. Der Raps kommt zum Beispiel aus Starbach, Deutschenbora und Großschirma. Vorgesehen ist auch eine ständige Ausstellung im Nossener Zentrum, die über erneuerbare Energien und ihre praktische Anwendung informiert.
„Im großen Stil wird sicher das Pflanzenöl im Treibstoffbereich nicht eingesetzt werden. Doch es gehört zum Energiemix“, sagt Liebe. Dafür engagiert er sich. So gibt es Kontakte zu Autowerkstätten in Munzig und Pappendorf, die künftig Fahrzeuge mit Dieselmotoren für den Rapsöl-Betrieb umrüsten sollen. Denn hier liegt ein Knackpunkt. In Sachsen fehlen bislang solche Werkstätte, sie sind hauptsächlich in Bayern, Sachen-Anhalt oder Mecklenburg zu finden. „Aber ohne Umrüstung der Dieselfahrzeuge kann Rapsöl nicht verwendet werden“, sagt Liebe. Im Nossener Ökozentrum erhalten Interessenten dazu Auskunft.
Dieter Hanke