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Nossener Unternehmer Rainer Liebe hat Salatöl im Tank und jede Menge Ideen im Kopf-Ein Ökozentrum Nossen soll entstehen
Moderne Idee in alter Fabrik umgesetzt
Nossen: Er riecht leicht nach Pommesbude, und man kann ihn tatsächlich direkt aus dem Tank zum Salat anmachen nehmen - Rapsölbrennstoff. Seit etwa drei Wochen läuft in einem alten Fabrikgebäude in Nossen das sächsische Pilotprojekt, bei dem Rainer Liebe ein Nischenprodukt mit viel Idealismus und eher geringem Gewinn herstellt.
Ökologisches Denken ist für den Inhaber der Liebe Heizung & Bad GmbH keine Modeerscheinung. Seit 1990 beschäftigt er sich mir regenerativen Energien. Vor drei Jahren bekam er ein Buch über das Pflanzenöl in die Hand. Als dann seine Tochter eine Facharbeit zu diesem Thema schrieb, verfestigte sich in Liebes Kopf die Idee, es selbst mit der Herstellung zu versuchen. „Initialzündung waren dann aber eher die ständig steigenden Spritpreise“, meint Liebe. Schließlich ging er 2000/01 auf die Suche nach einem passenden Objekt. Er fand es in der Fabrikstraße 4 in Form der ehemaligen Deckenfabrik. Nicht nur die verkehrsgünstige Lage überzeugte den Nossener, er hat sich auch in die 1909 gebauten Gebäude verliebt.
„Diese alte Fabrik hat Flair und spricht die Kunden bestimmt mehr an, als ein Wellblechbau im Gewerbegebiet“, ist er überzeugt. Später soll die gesamte Firma auf das 16.000 Quadratmeter große Areal ziehen. „Ein Ökozentrum Nossen wird es“, weiß Liebe. So plant er außer einer Rapsöltankstelle direkt an einer Zufahrt noch eine Heizungsaustellung mit vollautomatischer Holzpelletanlage, Scheidholzbrenner und Rapsölbrenner, die zudem das Gebäude heizen. Das Technikkonzept hat Liebe und seine derzeit zehn Mitarbeiter selbst erarbeitet und in die Tat umgesetzt. Der Kreislauf beginnt an der Rapsannahme, einen in die Erde gelassenen „Trichter“, in den die Bauern den Rohstoff abladen. „Derzeit bekommen wir den Raps von der BayWa in Großschirma, später bringen ihn die Bauern direkt vom Feld“, erklärt Liebe.
Mittels Becherförderwerk wird die Feldfrucht in ein 200 Tonnen fassendes Silo befördert. Nach nochmaliger Reinigung rutscht der Raps schließlich in den Tagesbehälter und von dort zur Presse. Mittels mechanischem Druck, mit Rührwerk und vielen Filtern kommt am Ende Rapsöl mit Nahrungsmittelqualität heraus. Liebe legt Wert auf die Tatsache, dass es kaltgepresstes Öl ist. Es habe nicht nur Vorteile beim Einsatz in Fahrzeugen. Die Kaltpressung hinterlasse auch einen großen Anteil an Öl im sogenannten Rapskuchen, was ihn nährstoffreicher mache. Womit sich dann auch der Kreis schließt: Die Bauer, die den Raps brachten, nehmen den Rapskuchen als Viehfutter wieder mit.
Die Einsatzmöglichkeiten des Salatölbrennstoffes sind vielseitig, weiß Liebe. Als technisches Öl sei es vor allem beim Einsatz von Maschinen in Trinkwassereinzugsgebieten begehrt. Hier gebe es sogar ein spezielles Förderprogramm. Aber auch erzgebirgische Forstbetriebe, die mit Kettensägen arbeiten, seien an Rapsöl als Schmierstoff interessiert. Ebenso eigne sich der ökologische Rohstoff in Heizölbrennern und Blockheizkraftwerken. Die Evangelische Akademie in Meißen arbeitet mit Letzteren und deshalb auch mit dem Nossener Unternehmer zusammen. Aber auch die Rapsöltankstellen in Chemnitz und Leipzig hätten bereits Interesse angemeldet, derzeit bekommen sie ihren Rohstoff noch aus Bayern.
Rapsöl als Treibstoff forciert auch die Ralle Landmaschinen GmbH aus Großvoigtsberg. „Wir haben sehr gute Kontakte zur Firma Liebe“, berichtet der Geschäftsführer Christoph Ralle. Die GmbH ist Vertragshändler für Deutz-Fahr, die einzige Firma, die in ihrem Schlepper-Programm gängige Nachrüstungen für den Einsatz von kaltgepresstem Rapsöl anbietet. „Wir betreuen bereits einen Ökobauern aus Ostrau, der mit einem solchen Schlepper arbeitet“, so Ralle. Zwei wollte er jetzt noch dazu kaufen. Dass es dem Großvoigtsberger Unternehmer ernst ist, will er am 8. und 9. März zur Hausmesse zeigen. Dort werden Rapsölpressen zu sehen sein. Dennoch, Rapsöl ist und bleibt ein Nischenprodukt, darüber ist sich Rainer Liebe klar. Die Umrüstung eines Dieselfahrzeuges kostet etwa 2000 Euro. „Bei einer jährlichen Fahrleistung von 30.000 Kilometern fängt es an wirtschaftlich interessant zu werden“, so Liebe. Doch die Anbaufläche für Raps ist begrenzt. Immerhin werden für eine Tonne Rapsöl drei Tonnen Raps gebraucht. Liebe, der bereits drei seiner Fahrzeuge umgerüstet hat, spart dennoch gegenüber einem Liter Diesel etwa 20 Cent.
Ute George
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